DIE BERGGESCHICHTE IM SILBERTAL

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1000 JAHRE TRADITION
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Seit mehr als 2000 Jahre begeistert das elsässische Tal von Sainte-Marie-aux-Mines durch seine spezifischen versteckten Eigenschaften. Seit der Römerzeit haben die Menschen eine intensive Energie investiert, um Materialien aus der Ewigkeit herauszuziehen.

Aus dieser Tätigkeit ist ein fabelhaftes historisches und menschliches Erbe, ein globales Netzwerk von Fähigkeiten und Traditionen entstanden, welche immer noch lebendig sind. Entdecken Sie ein Stück dieses Reichtums durch unsere verschiedenen Rubriken.

 

contexte_geologiqueGEOLOGISCHER KONTEXT EINER MINERALISCHER WIEGE

Das Gebiet von Sainte-Marie-aux-Mines und Val d’Argent bilden einen ausgesprochenen Mineraliengeburtsort.
An der Vogesen Bruchstelle gelegen, war Sainte-Marie-aux-Mines ein bevorzugter Ort der Mineralienbildung. Tatsächlich ist das Massiv der Vogesen, als Ergebnis der Bewegung der tektonischen Platten, von geologischen Verwerfungen durchgezogen. Mit anderen Worten, die Öffnung von Frakturen durch die Bewegungen der Erdkruste, durch die Starrheit der Steine und die Strömung von heißem Wasser begünstigte und ermöglichte die Bildung von Erzadern im Boden. Sainte-Marie-aux-Mines besitzt insbesondere eine Vielzahl von Gesteinen. Die Akkumulation in ihren Brüchen von mineralischen und metallischen Partikeln, die durch das Grundwasser transportiert wurden- oder durch tiefe Sickerwasser in die Erdkruste eindringen und später an der Oberfläche schwimmen konnten- und weiterhin in einer geologischen Kluft gefangen sind, bilden echte Erzadern, die silberhaltig und für die Menschen verwertbar sind.

Laut Archivar David Bouvier, sind Bruchzonen und Venen durch Beobachtung der natürlichen Umwelt zu finden: Entweder erreicht die Erzader die Oberfläche und erscheint als eine weiße Linie zwischen zwei Felsbrocken, oder die Verwendung der Wünschelrute ermöglicht die Entdeckung von Grundwasserströmungen, die zu den Brüchen führen, welche sich zu Venen verwandelt haben. Schließlich kann eine besondere Art von Vegetation (verdrehter Baum, typische isolierte grüne Fläche) auf eine hohe Konzentration an Mineralien und Metallen deuten.

Bild: Bergbau Landschaft von St. Marie-aux-Mines – Holzschnitt von Sebastian Münster Februar 1545, Sebastian Münster, im Bergwerk Rumpapump: ‘Ich lebe im Inneren der Frucht des Reiches Pluto… Ich wurde ziemlich tief in eine Vene geführt, wo Blei, Silber und andere Metalle so hell funkelten, dass es einen optischen Genuss erzeugte.’ «Sainte-Marie-aux-Mines – Les mines du rêve» von Peter Fluck, (S.122)

EIN ALTES MINERALISCHES ABENTEUER
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Das Tal von Sainte-Marie-aux-Mines, ein außergewöhnliches mineralisches Abenteuer seit dem Mittelalter.
Die jüngsten Entdeckungen des französischen Forschers und Akademikers Peter Fluck, Spezialist für Geschichte der Technik und industrielle Archäologie, in Tirol, erlauben uns die Entdeckung der Venen des Val d’Argent auf die römische Zeit oder um 200 bis 300 v. Chr. zu schätzen. Allerdings gesteht man als Erstes dem Mönch Blidulphe, die Entdeckung von Silber in unserer Region, im neunten Jahrhundert zu. (Kohlenstoff-14-Datierung von zwei Proben aus ca. 937 n. Chr.) Diese Entdeckung war der Ausgangspunkt eines blühenden Bergbaus: Die Silberextraktion aus den Adern, sowie Kupfer, Kobalt und Arsen.

Der Altenberg zählt nicht weniger als 13 verschiedene Minen, welche die mittelalterlichen Techniken der damaligen Bergarbeiter vorführen. Im dreizehnten und vierzehnten Jahrhundert, verwenden die Bergleute die ersten hydraulischen Maschinen und graben am Stück bis zu 100 Meter tiefe Grubenschächte.

Laut der 100. Ausgabe des Fachmagazins “Le Règne Minéral” (der Mineralienreich) “, stammt das beste Beispiel einer Mineralogie Sammlung des 15. Jahrhunderts aus den reichsten betriebenen Bergbaugebieten in Frankreich, vor allem von der Sainte-Marie-aux-Mines.

Nicht nur für die empirische Lehre, die diese Mineraliensammlungen bieten, sondern hauptsächlich für die Besitzer und Aktionäre der Bergwerke, die ihren sozialen Status damit etablierten und ihren Reichtum verkündeten.

Tatsächlich, in der ‘Histoire des mines de Sainte-Marie-aux-Mines’ (Geschichte des Bergbaus in Markirch / Sainte-Marie aux Mines, Elsaß.) von Muhlenbeck im Jahr 1898, wurden wir darauf aufmerksam gemacht, dass eine Sammlung von Mineralien besteht, die von den Herren von Ribeaupierre, welche die Minen auf der elsässischen Seite betrieben und vom Kaiser von Österreich abhängig waren, zusammengestellt wurde.

 

DAS SILBERNE ALTER DER RENAISSANCE
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Die 20 Jahre einer kollektiven Euphorie oder das silberne Alter der Renaissance: Neue Entdeckungen und die Wiedereröffnung der bereits bekannten Gruben bereichern die Bauern aus Elsass und Lothringen mit gediegenem rotem Silber aber auch mit Blei und Kupfer. Zu dieser Zeit waren nicht weniger als 80 Gruben wurden gefördert und betrieben.

Im sechzehnten Jahrhundert, lebten die 2000-3000 Bergleute unter besseren Bedingungen. Bergbau-Betriebe entwickeln eine hierarchische Regelung mit 92 Artikeln und setzen einen “Richter der Minen” ein. Die horizontalen Zugangsstollen bilden einen leichten Winkel um den Wasserfluss zu vermindern und sind durch vertikale Schächte verbunden. Eine große graue Silber-Erzader, entdeckt im Jahre 1551, bringt die St. Wilhelm-Grube in eine führende Position und wird die produktivste aller Zeiten im Rheinland.

Diese guten Zeiten enden mit dem 30-jährigen Krieg und der Ankunft der Schweden (Bergbau unter Aufsicht 1633). Die Bergleute werden zerstreut und können den Wasseranstieg in den Schächten nicht stoppen…

 

DAS ACHTZEHNTE JAHRHUNDERT : DIE VIELFALT
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Die Sanierung der Bergwerke im achtzehnten Jahrhundert : die Geschichte wiederholt sich : Laut Peter Fluck können wir die gleichen allgemeinen Schritte wie im vorangegangenen Zeitraum beobachten. Der einzige Unterschied ist, dass die Betreiber nicht auf die Entdeckung neuer Adern abzielen, sondern sie wollen tiefer in die bestehenden Schächte graben. Der “Vorläufer” des Kobalts wurde im Schwarzwald schon entdeckt, auch die Gruben von Sainte-Marie-aux-Mines enthielten Kobalt. Aber erst im achtzehnten Jahrhundert wurden seine Geheimnisse entdeckt. Denn während die Substanz mit dem Namen “safre” oder “Smalte” bereits bekannt war, war die Verwendung dieses so besonders azurblauen Farbstoffs völlig neu. Die alten Minen werden wieder geöffnet, um das Silber abzubauen, vor allem das einheimische rote und glasige. Die meisten Bergleute waren nicht in dem Tal geboren. Die erste Naturkatastrophe im Jahre 1740 brachte alles zum Umsturz. Die Bergleute, die schon zu kämpfen hatten, um nicht zu verhungern, wurden wegen der Überflutung und des strömenden Regens entlassen. Besonders seit die hydraulischen Maschinen fast nur in der Lorraine benutzt wurden und sehr wenige im Elsass waren.

Neun Jahre später, läutete eine unterirdische Flut die Totenglocke des Bergbaus ein. Die Hauptquelle des Bleis wurde überflutet und riss die gesamte Wirtschaft mit in den Abgrund. Peter Fluck berichtet, dass der Abbau von silberhaltigen Kupfer nur im Zusammenhang mit Blei möglich ist und umgekehrt (Schmelzvorgang). Eine weitere Flut und ein Feuer kommen zwischen 1755 und 1759 noch dazu. Aktionäre und Minenbetreiber stehen nicht auf gutem Fuß, die Gesellschafter ziehen sich finanziell zurück und die Bergleute verlassen die Region für erfolgversprechendere Länder.

Schließlich waren im Jahre 1781 nur noch 2 bis 7 Minen im Betrieb und die Bergleute lebten in Armut. Im Jahre 1789 schlossen die Gruben endgültig, mit Ausnahme der Kohlminen.

 

complexe_mineralDIE NEUZEIT

Hoffnungen und mutige industrielle Technologien : Am Ende des 19. Jahrhunderts deuten die ersten Studien des Bodens darauf hin, dass sich reich Adern in der Galerie, mit der Namen Prince, befinden. Unternehmer fingen an in Rauenthal einen riesigen Bergbau-Komplex für die Verarbeitung von Erzen zu bauen.
Aber die Produktionsaussichten wurden stark übertrieben und im Jahre 1905, nur acht Jahre nach seiner Gründung, schloss die Firma.
mine_gabe_gottesEin letzter Versuch fand in der Mine “Gabe Gottes” statt, die im Jahr 1932 neu eröffnet wurde. Dort wurde Arsen extrahiert. Aber der Ausbruch des zweiten Weltkrieges führte die Schließung im Jahre 1940 bei und beendete die tausendjährigen Bergbautradition.

 

SAINTE-MARIE-AUX-MINES UND MINERALIEN HEUTE

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Die Geschichte von St. Marie-aux-Mines, auf Bergbautradition aufgebaut, hat bis heute spezifische Verankerungen erhalten. Ein riesiges Netz von Tunneln und Gruben auf ca.300 km (nur 60km davon wurden erforscht). Fast 150 Mineralien-Flora Sorten wurden identifiziert, davon existieren einige nur in Sainte-Marie-aux-Mines. Eine sehr hohe Konzentration von typischen Bergbaugebäuden. Festivals und Paraden werden jedes Jahr in traditionellen Bergbauarbeiter-Kostümen durchgeführt (wie z. B. am Tag der Heiligen Barbara).
Verbände, welche Führungen durch die Minen anbieten, angefangen mit dem „Spaß am Entdeckung“ bis zur Höhlenforschung und fachlichen Entdecken Ständige Ausstellung die den Minen und Mineralien gewidmet sind.

asepamNicht zu vergessen ist unser traditionelles ‘Bourse aux Minéraux de Sainte-Marie-aux-Mines’: Als im Jahr 1962 von François Lehmann der ‘Tag der Minen’ gegründet wurde, hatte dieser nur einen lokalen Charakter. Im Jahr 1966 verwandelte sich dieses Ereignis und wurde eine ‘Internationale Börse und Ausstellung’, und später eine ‘Internationale Börse für Mineralien, Edelsteine und Fossilien’. 2012 wurde es auf ‘Internationale Ausstellung Mineral & Gem in Sainte-Marie-aux-Mines’ umgetauft.
Die Ausstellung findet jedes Jahr am letzten Juni-Wochenende statt; dabei hat sich das Publikum dieser Veranstaltung laufend vergrößert: war sie ursprünglich nur von Fachleuten besucht, sozieht sie inzwischen ein immer breiteres Publikum an.
Mineral & Gem ist eine der drei größten Mineralienbörsen der Welt mit den Ausstellungen in Tucson (Arizona) und München (Deutschland). Die Messe dauert vier Tagen: die zwei ersten Tagen sind Fachbesuchern gewidmet, und die zwei nächsten Tagen sind am öffentlichen Publikum geöffnet. Im Juni 2015, die Internationale Ausstellung Mineral & Gem hat 1’000 Aussteller und 30’000 Besucher der ganzen Welt empfangen.

logo_capitalmineralogie5light°Im Juli 2014 wurde die Marke ‘Capitale de la Minéralogie’ (Hauptstadt der Mineralogie) eingeführt. Es geht darum die mineralischen Stärken der Val d’Argent hervorzuheben und eine Synergie zwischen den verschiedenen Akteuren herzustellen und zwar: Mineral & Gem, Parc Tellure, Association Spéléologique ASEPAM und Centre de Formation La Table d’Émeraude.